Die Geschichte der Astronomie, Teil 22

Tycho und Kepler, Teil 3: Die Insel Ven

Einige Zeit nach dem Tycho Brahe die neue Supernova entdeckt hat, beschließt er Dänemark zu verlassen und in das Heilige Römische Reich deutscher Nation zu ziehen. Davon bekam der dänische König (Frederik der II.) Wind und wollte auf jeden Fall nicht auf die Fähigkeiten eines so talentierten Astrologen und Astronom verzichten. Frederik machte ihm darum ein verlockendes Angebot: Ein eigenes Observatorium mit allem möglichen Zubehör und Mitarbeiter, die Kosten übernahm der König was etwas mehr als 1 % des königlichen Einkommens war. Er nahm sein Angebot an und blieb bis sein Nachfolger andere Launen entwickelte.

Uraniborg

Schloss und Observatorium Uraniborg
Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7e/Uraniborgskiss_45.jpg

Er bekommt ein eigenes Observatorium auf der Insel Ven, einer abgelegenen, und auch nicht sehr dicht besiedelten Insel im Öresund zwischen Dänemark und dem heutigen (südlichen Teil von) Schweden. Als Grundbesitzer würde ihm die Pacht von den Bauern der Gegend zustehen. Tycho Brahe ist, oh Wunder, ja auch von adliger Abstammung. Die Pacht garantierte ihm immer ein eingedecktes Einkommen. De facto stellt der dänische König Tycho Brahe als Lehnsherren ein eigenes Stück Land an. Das Angebot nahm er an und so wurde innerhalb der nächsten Monate das Observatorium fertiggestellt. Sein Observatorium wurde Uraniborg getauft und die Bauzeit war tatsächlich von August 1576 bis 1580.

Uraniborg war typisch protzig gestaltet (und zwar von italienischen und niederländischen Architekten), ästhetisch ansprechend und nach flämischem Stil gebaut. Es war zwölf Meter hoch und wurde von Kuppeln, Zinnen und Turmspitzen gesäumt. Der Wohnbereich war ebenso modern, denn da gab es fließendes Wasser, dafür hatte er sich extra ein hydraulisches System einfallen lassen (Ob die Wasserqualität gut war?). Es wurde recht schnell als Schloss Urania oder eben Uraniborg bekannt. Auf Uraniborg hielt Tycho Brahe zwei große Hunde als Geschenke vom König aus Schottland.

Tycho Brahe tat irgendwie, worauf er Lust hatte, er war hauptsächlich Wissenschaftler, aber auch Künstler und Handwerker und ließ öfters auch Musiker einladen. Er holte auch Mechaniker aus Augsburg auf die Insel Ven, dass sie die präzisesten astronomischen Instrumente seiner Zeit bauen. Darunter stellten sie Quadranten Sextanten, Armillarsphären, Astrolabien, Uhren und parallaktische Zollstöcke aus höchster Qualität und ganz auf der Spitze der Mauerquadrant. Damit konnte Tycho Brahe später auf wenige Bogenminuten genau die Positionen bestimmen. Auch gründete er eine eigene Druckerei vor Ort, um seine Ergebnisse unabhängig drucken zu können und seine Manuskripte nach eigenen Vorstellungen anzufertigen.
So wurde aus Uraniborg das, was sich sein Förderer gewünscht hatte, nämlich das bedeutendste astronomische Forschungszentrum seiner Zeit auf der kompletten Erdkugel.

Stjerneborg

Observatorium Stjerneborg unweit von Uraniborg
Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b2/Tycho_Brahe%27s_Stjerneborg.jpg

Tycho Brahe entschloss sich 1584 (1586 fertiggestellt) aus mehreren Gründen eine Art Nebenobservatorium zu errichten, nachdem festgestellt wurde, dass Uraniborg zu klein für all die Instrumente sei und es außerdem aufweichen oder sandigen Boden steht. Um den weichen Boden zu umgehen, wurden die Beobachtungsräume teilweise oder ganz in den Boden eingelassen. Außerdem sollen so stückweit die Auswirkungen von Temperaturschwankungen und Winde kompensiert werden. Mit der Armillarsphäre von Stjerneborg konnte sogar eine Präzession von einer Bogenminute erreicht werden. Stjerneborg war bloß etwa 100 Meter von Uraniborg weit weg.

Nach Uraniborg und Stjerneborg

1597 beschloss Tycho Brahe samt seiner Ausrüstung endgültig nach Holstein zu ziehen. Anlass war ein Wechsel der Herrschaftsperson. Christian der IV. wurde 1588 König und war nicht mehr bereit so stark Tychos Brahe Arbeiten zu subventionieren. So wurde in dieser Zeit sein Etat mehrmals gekürzt. Wie das so bei Herrschern sein kann, die oft andere Pläne haben und deren Bevölkerung dann nicht immer zu berücksichtigen. Diese alten Leiern eben.

Quellen:
ISBN: 9783866901131
https://de.wikipedia.org/wiki/Tycho_Brahe
https://de.wikipedia.org/wiki/Stjerneborg und https://de.wikipedia.org/wiki/Uraniborg

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