Die Geschichte der Astronomie, Teil 29

Galileo Galilei in 5 Aufzügen – Seine Entdeckung des Pendels

Galileo Galilei ließ sich jetzt also von Ostilio Ricci exklusiv von der Universität von Pisa in Mathematik ausbilden. Galileo wurde in dieser Zeit von einer der Besten gelehrt. Ricci war ein exzellenter Pädagoge und seine Arbeitsweise überzeugte eindeutig den Galileo-Schützling und erzog ihn so, dass er die Mathematik als ein direktes Werkzeug der Wissenschaft benutzte, und nicht wie bisher als abstrakte intellektuelle Denkerei. Allerdings brachte der Einzelunterricht durch Ricci Galileo auch die Arroganz. Er fühlte sich den anderen Studenten überlegen. In der freien Zeit eckte er sehr häufig bei ihnen an, wenn sie sich mit ihm unterhalten wollten in den Plätzen, Örter, die dazu bestimmt waren als „Aufenthaltsraum“, oder als Stätte des Zeitvertreibs zu dienen. Bald konnte ihn kaum einer ausstehen. Wie das Verhältnis und Verhalten zu Ricci waren, ist mir nicht bekannt, aber vermutlich entweder genauso oder wie eine Art Bezugsperson, welche man aufrichtig Respekt zollen sollte, auch wegen der Tatsache, dass er im Grunde eine intensive, exklusive Ausbildung gegeben hatte.
Offiziell war Galileo das ganze Jahr über noch ein Medizinstudent und wechselte offiziell erst mit dem neuen Jahr.

Nach der Ausbildung durch Ricci erhielt er bereits seinen ersten mathematischen Auftrag. Er sollte die militärische Befestigungsanlage der Insel If vor der Küste von Marseille mathematisch betreuen. Er tat es auch und wurde vom dortigen Herrscherhause großzügig entlohnt. Er führte es immer als Beweis an, dass das Mathematiker Sein doch nicht so dämlich und ärmlich war, wie es noch sein Vater zunächst dachte.

1583 fing er mit seiner ersten grundlegenden und sehr wichtigen Arbeit an. Die Inspiration zu der Arbeit ist gerade zu legendär. Es ranken sich viele Mythen darum, wie es anfing. In meinem Buch steht zum Beispiel, dass der junge Student gerade ein Sonntagsvesper in der Kirche und er blickte scheinbar zufällig an eine Öllampe, welche an der Decke des Kirchenraums befestigt war. Es war wohl der ständige Luftzug in der Kirche durch (u.a. wegen der Öllampe ausgelöste Wärmeunterschiede und die dadurch verbundene inkonstante Luftdichte… könnte man sicher noch ewig weiter spinnen) auf jeden Fall schwankte – pendelte – sie hin und her und er bemerkte anhand seines eigenen Herzschlags, wie geradezu regelmäßig sie hin und her schwingt.
Ihn inspirierten diese Ideen sehr intensiv, so dass es sich sofort zu einem Ort begab, wo er austesten konnte, ob es vielleicht eine Regelmäßigkeit zwischen dem Pulsschlag und dem Pendeln gibt.

Nachdem er unermüdlich verschiedene Gewichte, Pendellängen ausprobierte und so lange versuchte, daraus ein Naturgesetz zu erschließen, fand er irgendwann die Relation. Dieses Prinzip, also dass die Pendeldauer von der Länge des Pendels abhängig ist, und das Gewicht eigentlich nicht eine Rolle in der Pendelbewegung spielt, kann man natürlich ohne nähere Beobachtung und Überlegung nicht wissen. Dieses Prinzip fand später in Uhren eine große Rolle und auch in der Medizin wurden seine Entdeckungen wichtig, denn mit den Pendeln konnte man auch kurze Zeitintervalle, wie der Herzschlag, oder die Lungenfunktion modellunabhängig präzise genug messen.
Die Universität und seine Professoren waren nun zumindest zeitweilig bemüht, Galileo sympathisch finden.

Sein Vater hegte jedoch in der Zeit nach seiner ersten Entdeckung, bzw. Erfindung eines auf dem Pendel basierenden Zeitmesser Chancen für Galileo in die Medizin einzusteigen. Der Großherzog hatte 1585 40 Stipendien für „bedürftige Studenten“ ausgesetzt und Galileo schien die besten Voraussetzungen überhaupt zu haben. Allerdings fand er die Mathematik bereits so faszinierend, dass er sich ungern auf ein Medizinstudium wieder einlassen würde. Galileo beugte sich, aber wurde auf der höchsten Distanz durch sein arrogantes Benehmen abgelehnt. Aber es kam ein neues Problem auf. Sein Vater hatte keine Möglichkeit mehr, Galileos Studium der Mathematik an der Universität von Pisa zu bezahlen. Da Galileo selbst im Moment kein Geld einbrachte, musste er sein Studium pausieren und zurück ins Elternhaus nach Florenz kommen. Vincenzo war am Boden zerstört. Er sah die aktuelle finanzielle Lage der Familie sehr ernst.

Von 1585 bis 1589 schien er weiterhin primär in Florenz anwesend zu sein. Um die finanzielle Situation der Familie abzumildern und gleichzeitig auch seinen Interessen nachzugehen, gab er Privatunterricht in Mathematik und ging mit seiner Mathematik an die Öffentlichkeit, er hielt Vorträge und er erhielt sogar 1588 den Auftrag in seinem alten Kloster von Vallombrosa den dortigen Novizen zu lehren. Galileo sammelte für seine Familie trotzdem immer noch nicht so viel Geld ein, dass sich die Lage auflöste, allerdings tut die Lage sich durch seine Bemühungen entspannen.

(Es sieht so aus, als ob ich die Zahl der Beiträge über Galileo aufstocken müsste und in einem schnelleren Tempo erzählen sollte.)

Quelle:
Galileo Galilei – Eine Biographie, Autor: James Reston, Wilhelm Goldmann Verlag, ISBN 978-3-442-12744-0, erstmals erschienen 1994 in englischer Sprache.

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