Eine Ecke weiter, Teil 4

Die Chinesische Raumfahrt

Die chinesische Raumfahrt ist insofern etwas besonderes, weil die Chinesen u.a. durch ihr streng autoritäres Regime nicht alles bekannt geben, was sie vorhaben und durchführen. Das ist auch das, was womöglich andere Staaten verunsichert und China etwas alleine darstehen lässt, während zwischen den meisten anderen Unternehmen Partnerschaften und gemeinsame Kooperationen bestehen. Das ist in Demokratien meistens so, aber in China ist das anders, denn da spielen die Raumfahrtunternehmen und staatliche Behörden offen ihre Karten. Mit der Pressefreiheit, kann die Presse und somit auch alle Informationen veröffentlichen. Klar aber, es gibt immer irgendwelche internen Geheimnisse, die aber später wohl an die Öffentlichkeit gelangen sollen, dass die Firmen oder Behörden nicht ihre Forschungen und ihre genauen Pläne an z.B. Konkurrenten kommen, sodass sie Vorteile davon haben.

Die VR China aber begann bereits im Oktober 1956 mit der Gründung eines militärischen Forschungsinstituts namens „Raketenforschungsinstitut Nr. 5“ mit einer eigenen Raumfahrt. Es war dem Verteidigungsministerium unterstellt. Erste leistungsfähige Höhenforschungsraketen wurden ab den 60ern gestartet und China bekam die Raketen von der UdSSR. Nach einem Bruch zwischen der Volksrepublik und den Sowjets durch Mao Zedong entwickelten die Chinesen ihre eigenen Trägerraketen. Meisten Modelle trugen die Bezeichnung Langer Marsch (Cheng Zheng) (Abk.: CZ, deutsch: LM). Wichtige Wissenschaftler aus der Zeit waren Qian Xuesen und Ren Xinmin die einige Jahre zuvor noch am JPL arbeiteten.

Am 19. Februar 1960 startete dann auch die erste chinesische, auf Flüssigtreibstoff basierende, Höhenforschungsrakete des Typs T-7M von Shijiedu.

Ab 1968, Gedanken dazu erstmals 1966, gab es das Projekt „Projekt 714“ dann für bemannte Raumfahrt. Das „Shugang“ getaufte Raumschiff sollte ursprünglich zwei Astronauten ins All transportieren, kam aber wegen politischen und ökonomischen Gründen 1972 im Zuge der Kulturrevolution zum Erliegen. Das Raumschiff wäre 1973 als erstes Mal geflogen.

Am 24. April 1970 erfolgte mit der ersten Version einer Langer Marsch ein erster, erfolgreicher Satellitenstart. Gestartet wurde der 173 kg schwere Prototyp „Dongfanghong I“

1980 wurden allerdings Pläne für eine bemannte Raumfahrt eingestellt.

1996 ging eine Rakete tragischerweise in ein nahegelegenen Ort nieder, dabei starben vermutlich Hunderte Menschen. Internationale Kunden waren danach nicht mehr sehr überzeugt von der Sicherheit ihrer Nutzlasten und mieden weitere Buchungen.

In den Achtzigern und Neunzigern ging dann so die Raumfahrt weiter, wobei die Aktivität seit Mitte der Neunziger ansteigt. 1993 wurde so die chinesische Raumfahrtagentur CNSA gegründet.

Seit den Momenten arbeiten die Chinesen weiter an der bemannten Raumfahrt, sodass die Chinesen am 15.10.2003 erfolgreich einen Menschen (Yang Liwei) mit der Shenzou 5 in den Weltraum transportieren. Der ganze Flug dauerte etwa 21 Stunden. Bloß 2 Jahre später wagen sich die Chinesen mit zwei Mann wieder ins Weltraum, diesmal live im Staatsfernsehen übertragen. Am 25.09 2008 startete Shenzhou 7 mit drei Raumfahrer an Bord, wobei der erste chinesische Weltraumausstieg durchgeführt wurde.

Zur selben Zeit begann auch China ihr Mondprogramm. Sie starteten am 27.10.2007 mit der Chang’e 1, die von einer Umlaufbahn den Mond monatelang untersuchte. Die Folgemission Chang’e 2 nahm den Mond in hoher Auflösung auf, brach zum L2 für bahnmechanische Tests auf und flog im April 2012 weiter zum Asteroid Toutatis. Chang’e 3 landete am 14.12.2013 im Mare Imbrium als erste chinesische Mondlandung. Der Rover Yutu war auch dabei. Chang’e 4 landete dann auf der Rückseite des Mondes als erste Nation (!) mit einem im Lagrange-Punkt stationierten Relais.

Währenddessen beschäftigte China eine kleine Station „Tiangong-1“ für ein paar Jahre als Forschungsstation als Folge darauf, dass China sich wegen einem amerikanischen Veto nicht an der ISS beteiligen kann. Die Chinesen haben danach eine zweite Station ins Weltall geschickt.

Inzwischen beteiligt sich China sehr stark mit der Raumfahrt, während der Roskosmos und der ESA nicht sehr viel Budget zur Verfügung steht. China schafft inzwischen mehr als 20 Starts im Jahr und subventioniert Raumfahrtunternehmen.

In naher Zukunft planen sie auch eine bemannte Mondlandung und als Zwischenschritt eine Marssonde mit Rückführung und viele andere Satellitenstarts.

http://www.cnsa.gov.cn/english/n6465652/n6465653/c6714809/content.html
http://www.astronautix.com/s/shuguang1.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Raumfahrt_der_Volksrepublik_China

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